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Wenn der Oldtimer auf der Wippe kippelt
RAMSEN: Geschicklichkeitsfahren beim Traktorentreffen auf dem Clauserhof - Spannende Prüfungen erfordern viel Gefühl
Von Joerg Schifferstein
Der Clauserhof bei Ramsen war am Wochenende das Ziel zahlreicher Besucher und Traktorfahrer aus dem gesamten südwestdeutschen Raum. Vier Tage lang bestimmten Dieselgespräche, Heuernte-Vorführungen und am Samstag vor allem das Geschicklichkeitsfahren mit den landwirtschaftlichen Maschinen das Geschehen.
Ganz langsam rollt der historische Schlepper auf die Wippe. Zentimeter um Zentimeter schiebt er sich vorwärts, die Spannung steigt. Wo liegt der Schwerpunkt meines Fahrzeugs, wann kippt die Wippe? Das sind die Fragen, die dem Fahrer durch den Kopf gehen, wenn er sich der dritten und sicher spannendsten Prüfung auf dem Geschicklichkeitsparcours stellt. Es geht nicht darum, einfach über die Wippe zu fahren, sondern darum, den betagten Traktor exakt auszubalancieren. Mindestens fünf Sekunden lang muss die abgeflachte Wippe unter ihm genau in der Waagrechten stehen bleiben. Mehr als 20 Kandidaten stellen sich dieser Aufgabe, bei der nicht die Größe oder technische Ausstattung des Fahrzeugs über den Sieg bestimmt, sondern allein die Vertrautheit des Fahrers mit seinem Oldtimer.
Aufgebaut haben den Parcours Klaus Tandler und Thomas Schuler gemeinsam mit Bernd Jung, auf dessen Clauserhof die Veranstaltung stattfindet. Die schwierigste Prüfung steht am Anfang, das Rückwärtsrangieren einer zweiachsigen Rolle (Traktoranhänger). Hier zeigt sich schon, wer öfter mit seiner Maschine arbeitet, oder wer mehr Wert darauf legt, sein Gefährt bestaunen zu lassen. Im engen Korridor darf die Rolle die Seitenbegrenzung nicht berühren. Nach 90 Sekunden muss die hintere, etwa zehn Meter entfernte Ziel- Absperrung erreicht sein. Dabei ist es egal, wie oft der Fahrer den Vorwärtsgang einlegt, um die Richtung zu korrigieren.
Weiter geht es zum Annäherungstest, Millimeterarbeit ist hier gefragt. Die Front des Traktors muss so nah an einen Pfosten heranrollen, wie es geht, ohne dass er diesen berührt. Bei manchen Maschinen steht die Haube weit vor, bei anderen das vordere Zugmaul. „Das sieht leicht aus, ist aber schwierig, weil das vordere Ende des Fahrzeugs nicht zu sehen ist", erklärt Schuler, der mit dem Zollstock Maß nimmt. Danach gilt es, rückwärts den Traktor so genau wie möglich zwischen zwei Pfosten mittig abzustellen. Jeder Wettbewerber hat nur einen Versuch, Rangieren ist nicht erlaubt.
Wer das alles hinter sich hat, muss noch so schnell wie möglich um Pylone kurven, erst vorwärts, dann rückwärts. Für gute Leistungen gibt es Beifall vom Publikum, das zum Teil auf Klappstühlen am Parcours sitzt. Die Schlepperfreunde aus Nack tragen ihrem Teilnehmer das Banner ihres Clubs voraus. Das erinnert ein bisschen an den Einzug der Gladiatoren in die Arena. Am Ende hat Markus Bohrmann aus Marnheim die Nase vorn: Er kennt seinen Schlepper mit am besten und war schon 2008 Sieger im Parcours - der allerdings jedes Mal anders gestaltet wird.
Wer nicht nur beim Geschicklichkeitsfahren zusehen will, hat Gelegenheit, gemütlich durch die Traktorausstellung zu flanieren und die vielen schön restaurierten Oldtimer, darunter etliche Unimog und manche Lkw, zu bestaunen. Auch beim Baumstammziehen auf dem Wiesengelände, dem Heuwenden mit alten Anbaugeräten oder bei der Holzspaltevorführung direkt neben der Festhalle haben sich jede Menge Zuschauer eingefunden.
„Wir hatten einen sehr guten Besucherzulauf, auch dank des optimalen Wetters", zieht Bernd Jung am Ende des Traktortreffens müde, aber zufrieden, Bilanz. Jetzt fahren die Oldtimerfreunde Clauserhof erst mal zwei Jahre lang zu den Treffen befreundeter Clubs, bevor sie 2012 erneut zu einer eigenen Veranstaltung bei Ramsen laden.
BENNDOA
Quelle:
Verlag: DIE RHEINPFALZ
Publikation: Unterhaardter Rundschau
Ausgabe: Nr.128
Datum: Montag, den 07. Juni 2010
Seite: Nr.23
"Deep-Link"-Referenznummer: '6456333'
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